NeckarPark: Waggon-Künstler drängen auf Lösung
- Thema: NeckarParkKunst im Container-Format – das könnte Bad Cannstatt noch in diesem Jahr bereichern. Aurèle Mechler, Vorstand der „Waggon-Künstler“, und Marco Trotta, Sprecher, erläutern ihren geplanten Umzug in den NeckarPark. Sven Matis führte das Gespräch.
Die Weichen sind gestellt. Der Umzug steht bald an. Wie wehmütig sind Sie?
Mechler: Es ist ein Aufbruch. Wir wagen etwas Neues, Spannendes. Wir hatten zunächst die Befürchtung, dass die Kreativität dauerhaft leiden würde. Aber: Wenn der Umzug nach Cannstatt klappt, dann können wir dort etwas Innovatives aufbauen.
Trotta: Die letzten Wochen waren sehr hart. Unser Konzept (hier) trägt und ist zukunftsfähig.
Die Nachricht, dass Sie umziehen müssen, hat sie also nicht wirklich getroffen?
Trotta: Doch. 30 Künstler arbeiten in 20 Waggons, einige davon leben auch hier. In den letzten zwölf Jahren haben wir einige schöne Momente erlebt: von Zirkus- oder Theateraufführungen über philosophische Seminare bis hin zu abgefahrenen Perfomances.
Mechler: So ein Umzug ist nie leicht. Gerade für Künstler. Kreatives Potenzial braucht Ruhe und ein passendes Umfeld, um zu wirken.
Sie haben mit Stadt und Bahn verhandelt. Wie war die Zusammenarbeit?
Trotta (lacht): Wir waren schon ein gutes Gespann. Alle Beteiligten haben nach einer guten Lösung für unsere Misere gesucht.
Mechler: Für mich war es interessant zu sehen, wie „Stadt funktioniert“, warum es manche Hürden braucht. Jetzt kann ich etwas mit „Immissionsschutz“ anfangen und weiß, dass wir „niederschwellige Kulturangebote“ machen.
Nach intensiver Suche haben Sie sich auf den NeckarPark geeinigt. Was reizt Sie am ehemaligen Güterbahnhof?
Trotta: Es ist die größte freistehende Gewerbefläche in Stuttgart und sie ist gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Außerdem sind keine Probleme mit dem Lärmschutz zu erwarten. Manchmal wird es bei Künstler auch nachts laut. Inspiration richtet sich nicht nach Ruhezeiten.
Aber die Waggons können Sie doch kaum nach Cannstatt transportieren?
Mechler: Wir wünschen uns, die geschaffenen Räume zu erhalten und gleichzeitig flexibler zu werden. Daher haben wir das Konzept „Kunst und Kultur im Containerformat“ entwickelt. Container haben mehrere Vorteile: die Modularität oder eine wirtschaftliche und ökologische Bauweise. Zudem sind sie architektonisch herausfordernd und mit geringen baurechtlichen Hürden verbunden. Und wir müssten keine Miete für sie zahlen.
Was kann man sich konkret unter einer Container-Siedlung vorstellen?
Trotta: Da gibt es eine Menge toller Ideen. Man kann mehrere Container kombinieren oder durch Überdachung Außenräume schaffen.
Das klingt spannend.
Mechler: Es kommt noch was dazu: Dank der Container sind wir mobil und agil. Sie lassen sich hervorragend transportieren. Wir planen erstmal auf zwei Jahre im Neckarpark.
Das ist nicht so lange. Wollen Sie keine längerfristige Lösung?
Mechler: Von unserer Seite spräche nichts dagegen. Wer weiß, wie sich die Situation im NeckarPark in den nächsten Jahren weiterentwickelt. Mit den Containern können wir jedenfalls schnell reagieren.
Trotta: Das Wichtigste für uns ist, die Ausstellungs-, Veranstaltungs-, und Atelierflächen für die entstandenen künstlerischen Netzwerke und die Infrastruktur zu erhalten. Dazu brauchen wir jetzt eine schnelle Lösung. Wir dürfen den Elan nicht einbüßen. Wenn wir jetzt nur Lippenbekenntnisse bekommen, dann schauen sich die Künstler außerhalb Stuttgarts um.
Ich danke Ihnen für das Gespräch.
Hintergrund:
3yg – das steht für „dreiachsige Umbauwagen“ der DB AG. In Stuttgart ist 3yg ein Zeichen für Subkultur. Die „Ateliergemeinschaft Bauzug 3yg“ vereint Studenten, Maler, Bildhauer, Fotografen, Designer, Texter, Performer unter einem Dach. Genauer gesagt: Unter den Dächern von 20 ausrangierten Waggons. Im Nordbahnhof hat sich in den vergangenen zwölf Jahren eine kreative Szene entwickelt, die bislang Wenigen bekannt war. Stuttgart 21 hat das geändert. Die Bahn braucht das Grundstück für die weiteren Bauarbeiten; die Künstler müssen umziehen. Auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs in Bad Cannstatt haben sie ihren Wunschort gefunden. Für sie eine Chance zum Aufbruch. Ihr Konzept stellen sie Anfang April im Gemeinderat vor.
Mehr unter: http://waggons.wordpress.com
Bild: Stadt Stuttgart





